Kurd und Kurdistan

KURDISTAN

 ist das historische Siedlungsgebiet mitten in Vorderasien. Es ist mit etwa 530.000 km² ungefähr so groß wie Frankreich und umfasst heute geographisch Teile der Türkei, Iraks, Irans und Syrien. Heute leben die Kurden vor allem am Oberlauf des Tigris und im Gebiet rund um den Vansee im Südosten der Türkei, in den Tälern des Großen und des Kleinen Sab im Nordosten des Irak und südlich des Urmiasees im Nordwesten des Iran.

Inhaltsverzeichnis

 

 

 

Newroz

ist das kurdische Nationalfest und Neujahrsfest, das am 21. März statt findet.

Am 21. März findet das kurdische Neujahrsfest statt, das bedeutendste und von Sagen umwobene Fest für dieses Volk. 

Die Sage erzählt vom persischen Tyrannen Zuhak, der auf seinen Schultern zwei äußerst schmerzhafte Tumore hatte, aus denen zwei Schlangen herauskamen, um sich von seinem Gehirn zu ernähren. Die Ärzte wußten keinen Rat und keiner war in der Lage, ihn zu heilen oder seine Schmerzen zu lindern. Satan riet dem Tyrannen, jeden Tag zwei Gehirne von Jünglingen auf die Wunden zu legen. Der Tyrann hatte aber Mitleid mit den Opfern und begann, das Gehirn der Jünglinge mit jenem von Schafen zu ersetzen. Die dem Tod entronnen Jünglinge zogen sich in die Berge zurück. In der Stadt lebte der Schmid Kawa, dessen Söhne vom Tyrannen ermordet worden waren. Kawa machte aus seiner Schürze einen Wappen und rief damit die Bewohner der Berge zusammen, mit denen er den Palast des Tyrannen angriff und den Tyrannen tötete. Dies geschah laut der Überlieferung am 21. März des Jahres 612 v. Chr. (fällt geschichtlich mit der Einnahme der assyrischen Hauptstadt Ninive zusammen). Die Kurden sehen Kawa als ihren Vater an und die junge Bergbevölkerung als ihre Ahnen an; der 21. März wurde deshalb zum Neujahrsfest (Newroz).

Das kurdische Neujahrsfest Newroz, das am 21. März gefeiert wird, ist aus dem Widerstandsgeist des kurdischen Volkes entstanden und symbolisiert diesen bis heute. ,,Newroz" heißt wörtlich ,,der neue Tag" und hat sich aus den Wörtern ,,nu" (neu) und ,,roj" (Tag) über ,,nur"' und ,,nuroz" zu ,,newroz" entwickelt. Als Fest der Wiedergeburt erlangte es zuerst bei den Kurden Bedeutung und wurde dann später auch von anderen iranischen Völkern übernommen. Kurden, Afghanen, Perser, Belutschen, Tatschiken u.a.feiern heute dieses Fest, das sie alle um ihre eigenen nationalen Bräuche bereichert haben.

Das Newrozfest ist wahrscheinlich das älteste kurdische Fest. Es wurde erstmals 612 v.Chr. in den Kusi- und Med-Reichen gefeiert und jährt sich damit dieses Jahr zum 2605. Mal. Newroz wurde und wird als Beginn eines neuen jahres, wenn der Winter vorbei ist und dar Frühling kommt, gefeiert. Der harte kurdische Winter, der insbesondere für die in abgelegenen Bergdönfern leben den Menschen eine schwere Zeit bedeutet, ist vorüber, die Tiere erwachen ius ihrem Winterschlaf, die Blumenwelt erblüht und die prallen Wassenfällen, Bäche und Flüsse rauschen wieder Jod geben damit der paradiesischen Landschaft Kurdistans ihr typisches Aussehen. Die Menschen fühlen sich wie neu geboren und schöpfen neue Kraft für ihr hartes Leben. 

 

 

 

Mythologie des Newrozfestes

Zum mythologischen Hintergrund des Newrozfestes ist zu bemerken, daß die unterschiedlichen Auslegungen überdie Ursprünge von Newroz darauf zurückzuführen sind, daß die Menschen in den verschiedenen Gegenden des Landes das Fest um ihre jeweils eigenen Bräuche erweitern und damit bereichern, sodaß sich natürlich unterschiedliche Entwicklungen ergeben.
Die eigentliche Gesch ichte des Newrozfestes in seiner noch heute gültigen Bedeutung als SymboldesWiderstands geht zurück auf den Tag. als sich das Volk von der Unterdrückung des grausamen Herrschers Dehok befreite.

Die Legende erzählt, daß Dehok, der sogar seinen Vater umbrachte, sich durch die Ermordung des damaligen Herrschers Camsid an die Macht gebracht hatte. Eines Tages wuchsen ihm zwei Schlangen aus seinen Schultern. Verzweifelt bat er Ärzte und Weisen aus dem ganzen Land um Hilfe. Einmal wurde ihm empfonlen. er solle die Schlangen täglich mit den Gehirnen von zwei jungen Menschen füttern, das würde sie vielleichttöten. So gab DehokseinenWächtern den Befehl, täglich zwei junge Menschen umzubringen. Haß und Abscheu regten sich unter dem Volk, doch es war wehrlos. Dank einiger mitfühlender Wächter des Dehok, unter ihnen Ermayil und Kermayil, wurden jeden Monat 30 junge Menschen vor dem grausamen Tod bewahrt, indem man den Schlangen statt zwei Menschenhirnen ein Schafshirn und ein Menschenhirn zum Fressen gab.

Hunderte mußten in die Berge flüchten. Nach dem Epos ,,Shanamey Firdewsi" bilde-ten diese Menschen, die die freie Luft der Berge atmeten, den möglicherweise Newroz heute se ersten kurdischen Stamm. Kawa, der bekannte Held der Newroz-Mythologie, brach eines Tages das Schweigen des Volkes und organisierte den Widerstand gegen die Despotenherrschaft. Der weitaus seltener genannte Feridun beteiligte sich ebenfalls am Volksaufstand - aus Rache, weil sein Vater dem Tyrann geopfert worden war. Und nach der ,,Shanamey Firdewsi" war er es, der Dehok umbrachte, indem er Nägel in seinen Kopf schlug, die in das Gehirn eindrangen. Die eigentliche Heldenrolle kommt jedoch Kawa zu, denn ihm gelang es, das Volk zum Widerstand zu bewegen und es so zu befreien. Der Sturz des Dehok machte der Grausamkeit und dem Leid ein Ende. Aus der Freude, diese harte Zeit überwunden zu haben und aus dem Bedürfnis heraus, dieses große Ereignis zu feiern, wurde das Newrozfest geboren. Es gibt eine bemerkenswerte Parallele zwischen der damaligen und der heutigen Situation des leidgeprüften kurdischen Volkes. Dehok verkörpert die kolonialistischen Unterdrücker der Gegenwart und Kawa nach wie vor den revolutionären Kampf der Kurden. Das ist auch der Grund, aus dem keine Macht der Welt das Newrozfest verdrängen kann. Es wird ewig als Tradition bewahrt bleiben.

Wenn Newroz naht, werden in Kurdistan große Feuer entzündet. Da Kawa, um das Eisen zu schmieden, mitdem er zum Kampf aufrief, Feuer brauchte, wurde dieses Feuerzu einem wichtigen Symbol für Newroz. Auch soll Kawa nach der Befreiung des Volkes auf einen hohen Berg gestiegen sein und dort ein großes Feuer entzündet haben, um den Sieg zu verkünden. Auch in dem heiligen Buch ,,Zend Avesta" des zarathustrischen Glaubens hat das Feuer eine große Bedeutung. Damit steht dieser alte kurdische Glauben mit seiner positiven Einstellung zum Feuer im Gegensatz zum Islam und auch zum Christentum, in denen das Feuer die Hölle symbolisiert.

Heute verkörpern die lodernden Flammenden Kampf und die Sehnsucht des kurdischen Volkes nach Freiheit. Daß während der Newrozzeit überah in Kurdistan Feuer entzündet werden, zeugt vom ungebrochenen Verlangen des kurdischen Volkes nach Unabhängigkeit.

Die politische Bedeutung von Newoz heute

Der antikolonialistische Widerstand in Kurdistan hat im 20. Jahrhundert stark zugenommen. Deshalb versuchen die Kolonialmächte alles, um das Volk zu unterdrücken. Sie verbieten seine kulturellen Besonderheiten, betreiben eine intensive Assimilationspolitik und halten das Land bewußt unterentwickelt. Sie dulden nicht, daß das Volk das Newrozfest in seiner ursprünglichen Bedeutung feiert. In der Türkei ist es sogar ganz verboten. Frei konnte Newroz vor den Ereignissen der letzten Jahre nur 1946 in der kurdischen Republik Mahabad in Ostkurdistan (,,Iranisch"-Kurdistan), sowie in Südkurdistan (,,Irakisch"-Kurdistan) 1958, als die bürgerlichdemokratische Revolution gesiegt hatte, und in der Zeit der Autonomieverwirklichung 1970-1974 gefeiert werden. Damals wurde Newroz zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Dieser Feiertag blieb zwar auch nach der kurdischen Kapitulation 1975 erhalten, jedoch wurde ihm seine Bedeutung als Newroz Tag genommen, indem man ihn in ,,Fest des Baumes" umbenannte, um von Newroz abzulenken und dessen Inhalt zu zerstören. Trotz aller Vebote feiern die Kurden das Newrozfest und erfüllen es mit dem Geist der nationalen Befreiung. Die politischen Inhalte gewinnen dabei immer mehran Bedeutung.

In jüngster Zeit war Newroz immer wieder mit Tragödien und Niederlagen, aber auch mit dem Sieg der Freiheit und mit Hoffnung verbunden. So bombardierte die irakische Luftwaffe zur Newrozzeit des Jahres 1988 die kurdische Stadt Halabja mit international verbotenen Chemiewaffen. 5.000 Zivilisten wurden dabei getötet, weitere

1991 kam es zur Newrozzeit zu einem großen Volksaufstand in Südkurdistan (,,lrakisch"-Kurdistan), in dessen Folge es den Kurden gelang, große Teile ihrer Heimat zu befreien. Erstmals seit 1975 konnte dort wieder frei Newroz gefeiert werden. Doch Freude und Freiheit währten nicht lange. Ende März startete der irakische Diktator Saddam Hussein eine Großoffensive und vertrieb ca. 4 Millionen Kurden aus ihren Städten und Dörfern in Richtung iranische und türkische Grenze. Das Newrozfest 1992 stand unter dem Zeichen der bevorstehenden ersten freien Wahlen in Kurdistan, die am 19. Mai abgehalten wurden. In diesem Jahr 1993 nun wird Newroz erstmals in dem föderalen Staat irakisch-Kurdistan gefeiert werden, der am 4. Oktober 1992 von dem frei gewählten kurdischen Parlament ausgerufen wurde.

Dagegen werden aus Nordkurdistan ("Türkisch"-Kurdistan) voraussichtlich auch in diesem Jahr wieder schlechte Nachrichten zur Newrozzeit erwartet. Denn die Kurden dieses Teils von Kurdistan werden auch 1993 am 21. März wieder ihr Newroz begehen und der Menschen gedenken, die letztes Jahr zu Opfern der Staatsgewalt wurden, als die friedlichen Newrozfeiern mit Panzern niedergeschlagen wurden.

Die türkische Armee und die Sicherheitskräfte werden wieder versuchen, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die Feiern zu verhindern, womit eine erneute Tragödie vorprogrammiert ist.
Doch trotz der viel zitierten Uneinigkeit, die unter den Kurden in mancherlei Hinsicht herrschen mag, verbindet sie doch eine Hoffnung, die ihnen niemand wegnehmen kann: die Hoffnung, daß das kurdische Volk den Wintergut überstehen wird und in allen Teilen Kurdistans ein freies und vor allem friedliches Newrozfest feiern kann.
In diesem Sinne begehen auch die Kurden im Ausland - Arbeitsemigranten, Studenten, Asylbewerber - das Newrozfest, denn sie wollen die Tradition bewahren und ihre Solidarität mit ihrem Volk daheim in Kurdistan zum Ausdruck bringen.

mehr über Kurden und Kurdistan können Sie diese Link drucken:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kurdistan#Geschichte_Kurdistans

 

 

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